Geschafft: 6 Tage Fahrt, davon ungeplant 24 Stunden Anreise, mit Übernachtung in einem tschechischen Bahnhof, eine Nacht in einer Schäferhütte, drei Nächte in der Kothe, ganz viele Kilometer und unzählige schöne Momente liegen hinter uns. In der Zwischenzeit sind wir zwei Berge rauf und zwei Täler runter, haben eineinhalb Tage mit der Fahrtengruppe Ocicat – Pampas am See verbracht, davon ein Tag eine Magen-Darm-Epidemie durchlebt, Slowakische Pfadfinder getroffen und in einer Pfanne überm Lagerfeuer Lolles Brote gebacken.

Dann nochmal 12 Stunden Rückreise und wir waren wieder dort gekommen, wo wir losgefahren sind. Soweit die Kurzübersicht.

Eines Morgens, in aller Frühe oh bella ciao…da trafen wir auf unseren Zug. Erster planmäßiger Halt: Dresden. Von da an war nichts mehr planmäßig.

Der Zug nach Prag fiel nämlich aus und machte unsere komplette Verbindung hinfällig. Wir wollten 12 Stunden unterwegs sein, um halb zehn in Brezno, im Süden des Mittelgebirges, an zu kommen. Daraus wurden am Ende 24 Stunden.

Wir lernten dabei, dass in Bahnhöfen die Gleise, von denen die Züge abfahren, erst kurz vor Ankunftszeit des Zuges bekanntgegeben werden, dass Hauptbahnhof auf tschechisch „hl.n.- hlavní nádrazí“ (chlawnie na´draschie) heißt, die Tschechen gerne in vollen Zügen mit Abteilen reisen und nicht jeder Polizist in Tschechien englisch spricht aber viele Menschen in Tschechien und der Slowakei deutsch verstehen und sprechen.

Ach und, Mensch, ich hab die Reisegruppe noch gar nicht vorgestellt: Da wären einmal drei Jungpfadfinder der Sippe Concolor mit Wolle, Locke und Justus, sowie Cosalie und Rosima von der Altsippe Caracal, Kiwie der Alte Hase und Marlene von der Sippe Skogkatt, die schon länger im Fahrtengebiet war und uns in Brezno empfangen hatte.

Irgendwann am Nachmittag gings dann also los, in die Berge. Auf der Suche nach der ersten Schutzhütte und einer Quelle. Schutz fanden wir in einer Schäferhütte und eine Quelle fanden wir auch. Insgesamt konnten wir unsere Wasservorräte immer wieder in Gaststätten, Bächen und Quellen auffüllen. Was auch nötig war, denn die Sonne knallte heftig. Immer mal zog ein Gewitter auf, aber das zog auch wieder vorbei.

In den paar Tagen bestiegen wir zwei Berge hinauf und ein Tal hinab. Eins durchquerten wir mit dem Bus, mit dem wir dann auch die Niedere Tatra verließen. In der nächst größeren Stadt – im Norden des Mittelgebirges – bauten wir an einem See ein Standlager für die letzten 2 Tage auf.

Der Ursprüngliche Plan war, entspannt in vier Tagen 25 Kilometer zu laufen und die Niedere Tatra von Süden nach Norden zu durchwandern. Um am Ende unsere Abfahrtsort zu erreichen, mussten wir also nur 6-8 Kilometer am Tag schaffen. Ohne Höhenmeter wäre das auch kaum ein Problem gewesen. Die Rucksäcke bis zum Anschlag voll mit dem Nötigsten gefüllt und mit überlebenswichtigem Proviant und Wasservorräten bestückt war ein zügiges Vorankommen in etwa so wahrscheinlich, wie Deutschlands erreichen der Klimaziele. Außerdem wurde uns ein halber Tag bei der Anreise geklaut.

Egal, die Stimmung war jedenfalls immer gut. Klar, gab es kritische Momente, in denen fünf-siebtel der Gruppe, mit Magen-Darm-Problemen am Lagerfeuer lag und, außer Tee mit Glukose und Salz zu trinken, nichts zustande brachten. Wir freuten uns dennoch über den Besuch der Fahrtengruppe Ocicat-Pampas, die sich auch ohne unsere Hilfe im See vergnügte und schön darauf achten musste, gesund zu bleiben. Das Leben spielt einem sonderbare Streiche.

Auf unserer vorletzten Etappe aus der Stadt an den See, kreuzten auf einmal slowakische Pfadfinder von einem nahegelegenen Pfadfinderlager auf, und wollten eine gute Tat vollbringen, indem sie unser Gepäck an einen fünf Kilometer entfernten Ort am See brachten, von dem sie sicher waren, dass wir dort bedenkenlos unser Lager aufschlagen könnten. Es war wohl illegal in den dünnen Waldstreifen am Seeufer zu campen.

Also ließen wir uns überreden zu einem anderen Ort zu gehen, nur um wenig später zu realisieren, dass wir nun viel zu Weit vom Bahnhof weg waren und, an der vielbefahrenen Landstraße zurück zu laufen, die einzige Möglichkeit war wieder in die Stadt zu gelangen. Wir änderten unsere Meinung, ließen uns wieder abholen, packten den vollgestopften PKW aus und vergaßen im Kofferraum Topf mit Pfanne und Sippenwimpel.

Geknickt schrieben wir eine Mail an die Adresse von Guran, einem der Pfadfinder, und machten uns auf zum See. Bald jedoch, zeichnete sich am Ufer völlig unverhofft das Bild einer sich nähernden Person ab. Es war Micha, der Fahrer. Und in seiner Hand: Der Topf. Entweder rochen wir mittlerweile so stark, dass er einfach seiner Nase gefolgt ist, oder er hat scharfsinnig kombiniert und gekonnt erahnt wo wir hingehen könnten. Respekt und ein großes Dankeschön an die slowakischen Pfadfinder aus Liptowský Mikulász; einer Stadt, die fast so lang und breit ist,

Die Gastfreundschaft und Hilfsbereitschaft der Menschen hier hat uns immer weitergebracht; wenn wir mal ratlos über die Busverbindung waren oder heißes Wasser zum kochen brauchten. Die Niedere Tatra ist ein wunderschönes und aufregendes Fahrtengebiet. Da fahren wir drauf ab … und bestimmt auch nochmal hin.

Gut Pfad und gut Fahrt,

Kiwie, August 2019

 

 

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